Offener Brief von Prof. Christoph Parade, Architekt des Ahlener Rathauses

Nachdem Landesbauministerin Ina Scharrenbach sich gegen den Denkmalschutz für das Ahlener Rathaus ausgesprochen hat, reagiert der Architekt des umstrittenen Baus, Prof. Christoph Parade, nun in einem offenen Brief.

 

parade-architekten
Prof. Christoph Parade
Saarwerdenstraße 8
40468 Düsseldorf

 

Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen
Frau Ministerin Ina Scharrenbach
Jürgensplatz 1
40219 Düsseldorf

 

Düsseldorf, den 8. März 2019

OFFENER BRIEF

Rathaus Ahlen

 

Sehr geehrte Frau Ministerin Scharrenbach,

 

durch die Medien habe ich erfahren, dass Sie als oberste Entscheidungsträgerin um die Streitfrage, ob das Ahlener Rathaus unter Denkmalschutz gestellt wird, sich dagegen entschieden haben.

Es steht mir sicherlich nicht an zu entscheiden, ob ein Gebäude denkmalschutzwürdig ist oder nicht – dafür gibt es entsprechende Behörden und Regularien. Doch die kontroverse Diskussion im Vorfeld Ihrer Entscheidung hat bereits gezeigt, dass die Antwort darauf nicht ganz einfach ist.

Wenngleich ich als Architekt naturgemäß den Denkmalschutz für das Rathaus befürworten würde, respektiere ich Ihre Entscheidung. Was mich allerdings sehr befremdet, sind die Argumente, die Sie dafür nennen. So führen Sie in Ihrer offiziellen Presseerklärung an, dass „es eine Vielzahl von Argumenten (gibt), die gegen die Eintragung des Objektes als Baudenkmal in die Denkmalliste des Landes sprechen und somit zu meiner Entscheidung geführt haben“.

Weiter führen Sie aus, dass gegen die Eintragung des Objektes bauphysikalische, bautechnische und funktionale Gründe sprächen. Konkret stellen Sie fest, dass die „transluziden Fassaden des Rathauses und der Stadthalle bereits unmittelbar nach Fertigstellung erhebliche Mängel“ aufgewiesen hätten. Beide Fassaden seien in ihrer aktuellen Form aus bauphysikalischer Sicht nicht erhaltungsfähig. Eine Eintragung des Objektes in die Denkmalliste würde zu einer Rekonstruktion bei vollständigem Substanzverlust beider Fassaden führen.

 

Sehr geehrte Frau Ministerin Scharrenbach – bei allem Respekt für Ihre Entscheidung – als Architekt des Rathauses stelle ich fest, dass die von Ihnen aufgeführten Argumente jeglicher sachlicher Grundlage entbehren und schlichtweg falsch sind.

Wäre die Fassade der Stadthalle und des Rathaus tatsächlich unmittelbar nach Fertigstellung fehlerhaft gewesen, wie Sie behaupten, frage ich mich, warum man unser Architekturbüro damals nicht auch darüber informiert hat. Ebenso unerklärlich ist es, warum bei einer solch „fehlerhaften“ Konstruktion nicht die gesetzliche Gewährleistungspflicht, die mindestens für die ersten Jahre nach Fertigstellung gilt, von Seiten der Stadt in Anspruch genommen wurde? Es hat zu keinem Zeitpunkt eine entsprechende Beschwerde oder Schriftverkehr mit unserem Architekturbüro gegeben.

Ebenso muss ich Ihre Behauptung, beide Fassaden seien in ihrer aktuellen Form aus bauphysikalischer Sicht nicht erhaltungsfähig, entschieden zurückweisen. Das ist schlichtweg falsch. Es gibt zahlreiche Beispiele jüngeren Datums – unter anderem das gerade frisch renovierte Drei-Scheiben-Haus oder das Mannesmann-Hochhaus in Düsseldorf – bei der die denkmalgeschützte Sanierung der alten Fassade ja auch problemlos funktionierte und allen modernen energetischen Ansprüchen genügt.

Sehr geehrte Frau Ministerin, mich verwundert, dass eine Entscheidung, die aufgrund einer sachlich und fachlich sicheren Faktenbasis hätte getroffen werden müssen, leider nicht stattgefunden hat. Ich verwehre mich ebenso gegen Beschuldigungen, dass ich als Architekt des Rathauses für Dinge haftbar gemacht werden soll, die ich nicht zu verantworten habe. Ich spreche da ganz konkret auf die jahrzehntelange Vernachlässigung von notwendigen Sanierungs- und Reparaturarbeiten seitens der Stadt, die der eigentliche Grund sind, warum die Situation so eskalieren musste.

Hochachtungsvoll,

Prof. Christoph Parade